Fairer Handeln in Südindien – eine Mutmachgeschichte

Nithya (links) hat eine gute Aus­bil­dung und wird es spä­ter leich­ter haben als ihre alten Nach­ba­rin­nen im Dorf (rechts), die für ein wenig Essen bet­teln

Für eine Maga­zin-Repor­ta­ge bin ich nach Chen­nai geflo­gen, frü­her Madras, in Süd­in­di­en. Die Orte wur­den hier alle umbe­nannt, man mag kein Hin­di, das ist die Spra­che des Nor­dens. Hier wird Tamil gespro­chen, der Süden tickt anders, war in den letz­ten Jahr­hun­der­ten nicht so stark ande­ren Kul­tu­ren und Ein­flüs­sen aus­ge­setzt, pocht zuneh­mend auf sei­ne Eigen­stän­dig­keit. Selbst Bol­ly­wood hat hier nichts zu mel­den, man schaut Tol­ly­wood-Fil­me, die zwar auch dem glei­chen Herz-Schmerz-Rezept fol­gen, aber im Bun­des­land Tamil Nadu natür­lich in Tamil gedreht wer­den.

Die Kino-Glit­zer­welt exis­tiert aller­dings nur für die Ober­schicht der gro­ßen Metro­po­len – unmit­tel­bar dane­ben brei­ten sich Slums aus, und auf dem Land hei­ra­ten Frau­en mit 14, Lie­bes­hei­ra­ten sind die abso­lu­te Aus­nah­me, Gewalt in der Ehe und Pro­sti­tu­ti­on gehö­ren zum All­tag, genau wie Hun­ger und Armut. Älte­re Men­schen sind nicht abge­si­chert, beson­ders allein­ste­hen­de alte Frau­en haben es sehr schwer. Mehr als ein Drit­tel der glo­bal als bit­ter­arm ein­ge­stuf­ten Men­schen leben in Indi­en.

Die Kin­der hal­ten Wil­kom­mens­schil­der hoch – die Rei­hen­fol­ge stimmt nicht, aber ich weiß ja, was gemeint is: Wel­co­me to Ted­dy Export

Um so mehr habe ich mich gefreut, in der Nähe von Madu­rai, noch wei­ter süd­lich, zu erle­ben, wie eine Fir­ma, Ted­dy Exports, das Leben von 50 Dör­fern im Umfeld ver­än­dern konn­te. Eine iri­sche Aus­stei­ge­rin, Aman­da  Mur­phy, hat vor 30 Jah­ren ange­fan­gen, zusam­men mit fünf indi­schen Kunst­hand­wer­kern Mas­sa­ge-Rol­ler aus Holz her­zu­stel­len, um sie nach Eng­land zu ver­kau­fen. Inzwi­schen arbei­ten 600 Ange­stell­te und Arbeiter*innen dort und ver­kau­fen Rol­ler und bedruck­te Öko-Lei­nen­ta­schen in alle Welt. Die Fir­ma grün­de­te bald eine Stif­tung, um dann zuerst eine Schu­le für 1000 Kin­der zu bau­en, in der man inzwi­schen auch Abitur machen kann, dann eine Schu­le für Behin­der­te, eine Kita und eine Krip­pe, sie unter­hält ein Näh­ma­schi­nen-Pro­jekt, um Pro­sti­tu­ier­ten den Aus­stieg zu erleich­tern und ein Sozi­al­ar­bei­ter-Team, das über Aids und Ver­hü­tung auf­klärt.  Es wer­den haupt­säch­lich Frau­en ein­ge­stellt, man geht hier allein nach dem Prin­zip der Bedürf­tig­keit. Einen Job bekommt, wer ihn am meis­ten braucht, nicht wer am qua­li­fi­zier­tes­ten ist. Und das sind vor allem allein­er­zie­hen­de Frau­en und Wit­wen. Alle wer­den ange­lernt – und das klappt bes­tens, die Fir­ma ist inter­na­tio­nal sehr erfolg­reich.

 

Ein Schul­bus holt die Kin­der aus den umlie­gen­den Dör­fern und bringt sie nach der Schu­le wie­der zurück

 

Das nächs­te Pro­jekt: Bis Ende des Jah­res soll die gesam­te Elek­tri­zi­tät auf Solar­strom umge­stellt sein. Und dann wird ein Col­le­ge gebaut, mit agrar­wis­sen­schaft­li­chem Schwer­punkt. Die indi­schen Com­pu­ter-Spe­zia­lis­ten wan­dern näm­lich zum gro­ßen Teil aus, nach Euro­pa oder in die USA, das hilft dem Land nicht. „Wir brau­chen Men­schen, die ande­ren zei­gen, wie man die Land­wirt­schaft ver­än­dern kann, damit nie­mand mehr hun­gern muss, erklärt mir Mr. Shan­mug­a­nathan, einer der Mana­ger von Ted­dy Exports. Zur Zeit leben noch etwa 40% aller Inder unter der Armuts­gren­ze. Wenn wir neue Anbau­me­tho­den haben, inno­va­ti­ve Ide­en, und den gut aus­ge­bil­de­ten Agrar-Exper­ten Mög­lich­kei­ten geben, hier zu blei­ben, wer­den wir Armut und Hun­ger bald in den Griff bekom­men. Wir wol­len zei­gen, wie Indi­en sein könn­te – nicht wie es ist.“

Wer mehr dar­über lesen will: In der aktu­el­len Bri­git­te fin­det ihr die gan­ze Geschich­te!

 

 

 

 

 

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