Anmerkungen einer neuen Grünen Alten

Hel­la Wei­ßen­fels, Par­tei-Mit­glied seit ca. zwei Mona­ten, wählt grün seit Grün­dung der Par­tei.

Anmerkung einer neuen Grünen Alten zum bundesweiten Treffen am 22.9.2018 in Frankfurt/Main
Ein Text von Helga Weißenfels

Ich fah­re vol­ler Neu­gier nach Frank­furt und betre­te in Bocken­heim den Ort des Gesche­hens. Es geht pünkt­lich los.

Gewon­ne­ne Jah­re mit Leben fül­len – das gut for­mu­lier­te, viel­fäl­ti­ge The­ma wird von unter­schied­li­chen Sei­ten und enga­gier­ten Leu­ten klug beleuch­tet. Ich höre von tol­len neu­en Pro­jek­ten, mein Wis­sens­ho­ri­zont erwei­tert sich erfreu­lich. Kaf­fee­pau­se. Anschlie­ßend strin­gent auf­ge­bau­ter, span­nen­der Vor­trag von Prof. Probst über Wäh­ler­po­ten­tia­le der Grü­nen. „Unse­re“ Blog­ge­rin Chris­sie ermu­tigt uns zur mehr Digi­ta­li­sie­rung, auch und gera­de im Alter, und legt uns ans Herz, mit ihr zusam­men zu blog­gen, damit auch über die­sen Weg eine leben­di­ge Dis­kus­si­on zustan­de kommt. Super! Bernd Gosau kre­iert den eben­so wit­zi­gen wie zutref­fen­den Satz „Wir wol­len auch noch auf die Bar­ri­ka­den gehen! Aber die müs­sen natür­lich bar­rie­re­frei sein!“. Ein Hin­weis, dass das Alt wer­den uns alle betrifft! Ich bin hoch­mo­ti­viert und ange­tan von der Leben­dig­keit und den wich­ti­gen neu­en Ide­en, die mir hier ent­ge­gen­spru­deln.

Aber beim letz­ten TOP wer­de ich, die neue Grü­ne Alte, abso­lut ver­wirrt: Unter dem Titel „Was wol­len die Bun­des­län­der?“, wel­che Struk­tu­ren wol­len wir uns geben, ent­brennt eine Debat­te, ob die Grü­nen Alten inner­halb der Grü­nen Par­tei denn nun eine eigen­ver­ant­wort­li­che, mit­sprache­be­rech­tig­te Grup­pie­rung wer­den dür­fen oder nicht! Ich, die neue Grü­ne Alte, ver­ste­he die Welt nicht mehr: Kann das wahr sein? Wie kann die­se Par­tei an die­sem leben­di­gen Kon­vo­lut aus Ener­gie, Wis­sen, Erfah­rung, Ide­en und Moti­va­ti­on so wenig Inter­es­se zei­gen? Wie kann man die Grü­nen Alten aus rein for­ma­len Grün­den so zap­peln las­sen? Ich kapie­re nichts mehr: Es flie­gen Abkür­zun­gen und par­tei­po­li­ti­sche Begrif­fe durch den Saal, die Par­tei-Insi­dern sicher­lich ver­traut sind, die Neue (ich) aber ver­steht nur noch Bahn­hof.

Nach einer Wei­le packe ich mei­nen Krem­pel und gehe. Es ist scha­de für die­sen so leben­di­gen, wich­ti­gen Pro­zess, der aus for­ma­len Über­le­gun­gen  ins Lee­re läuft. Scha­de für all die enga­gier­ten Grü­nen Alten, die auf­grund des­sen nicht wirk­lich Gehör fin­den und nicht wirk­lich aktiv wer­den kön­nen, um die aku­ten, drin­gend not­wen­di­gen Ver­än­de­run­gen, über die den gan­zen Nach­mit­tag gespro­chen wur­de, anzu­pa­cken!

Was der neu­en Grü­nen Alten noch auf­ge­fal­len ist: Es wur­de häu­fig – außer bei Bernd Gosau – etwas abs­trakt von „den Alten“ gespro­chen. Genau die­se Alten sind wir selbst! Wir selbst sind ganz kon­kret von all dem betrof­fen, wor­über manch­mal etwas abs­trakt gespro­chen wur­de – nach dem Mot­to : Betrifft doch nur die ande­ren Alten, aber uns…?? Nee!! Ich, die neue Grü­ne Alte, zum Bei­spiel, höre etwas schlecht. Nur etwas, der Arzt rät mir noch von einem Hör­ge­rät ab. Man­ches von dem für mich Unver­ständ­li­chen habe ich aber tat­säch­lich auch rein akus­tisch nicht ver­stan­den. Ich bin halt nun mal alt! Ich habe mich nicht getraut, im Ple­num des­halb was zu sagen, denn der Tenor kam für mich so rüber: wirk­lich alt sind eigent­lich nur die ande­ren – wir doch nicht! Ich habe keine(n) Teilnehmer(in) im Roll­stuhl und auch keine(n) mit Rol­la­tor gese­hen. Sind wir Grü­nen Alten selbst wirk­lich alle fit­te Alte? Mein Bru­der, noch etwas älter als ich, fit wie Bol­le im Kopf, aber Roll­stuhl­fah­rer, woll­te vor kur­zem Mit­glied bei den Grü­nen wer­den, doch der Auf­zug war zu schmal (er ist wirk­lich ein schma­les Kerl­chen mit einem schma­len Roll­stuhl). Kein Wun­der, dass dann bei den Grü­nen Alten auch kein grü­ner alter Roll­stuhl­fah­rer auf­tau­chen kann… Mein Bru­der hat es inzwi­schen auf­ge­ge­ben, da in dem für ihn zustän­di­gen Büro auch das Tele­fon nicht zu den ange­ge­be­nen Zei­ten besetzt war…

Lasst uns alte Grü­ne des­halb ein­fach ohne all­zu gro­ße for­ma­le Hür­den genau­so einen Teil der Grü­nen wer­den, wie es auch die Grü­ne Jugend ist, damit es in flie­ßen­dem Über­gang, so wie es dem Lauf des Lebens ent­spricht, für jeden wei­ter­ge­hen kann inner­halb der Par­tei, von der wir uns doch so viel erhof­fen und ver­spre­chen – zumin­dest die neue Alte noch!

UND DANN LASST UNS ZUR TAGESORDNUNG ÜBERGEHEN UND KÄMPFEN FÜR UNSERE ZIELEDIE DER GRÜNEN UND DIE DER GRÜNEN ALTEN!

Mit vie­len lie­ben Grü­ßen, beson­ders an alle, die sich letz­ten Sams­tag so toll, enga­giert und auch kon­trär ein­ge­bracht haben! Ich dan­ke euch allen und hof­fe, dass ich viel und oft mit euch zusam­men­ar­bei­ten kann!

Hel­la

 

 

 

 

Die Kurz-URL für die­sen Arti­kel ist: https://wp.me/p84Y3M-G8

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2 Kommentare

  1. Angela Petersen

    Den Arti­kel von Hel­la Wei­ßen­fels kann ich voll bestä­ti­gen. Mir geht es ganz genau so. Erst ein­mal zur Ver­net­zung:
    Obwohl bei den Grü­nen Alten im Ver­tei­ler und auf der BAGSO per­sön­lich am Stand, habe ich über den KV oder sonst kei­ne Ein­la­dung zu der Ver­an­stal­tung in Frank­furt bekom­men. Nach­dem letz­tes Jahr die Ver­an­stal­tung aus­fiel, habe ich die­ses Jahr erst ein­mal gewar­tet, ob eine Mit­tei­lung kom­men wür­de.
    Hier bei uns in NRW kommt es auch lei­der nicht rich­tig mit der Orga­ni­sa­ti­on vor­an. Es mag dar­an lie­gen, dass man sich als älte­rer Mensch bei den Grü­nen ein­fach nicht »alt« fühlt und es des­we­gen auch nicht von wirk­lich vie­len unter­stützt wird, die­se The­men anzu­pa­cken. Nach 5 Jah­ren im Senio­ren­bei­rat bin ich etwas mut­los gewor­den.

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    • Christa Möller Christa Möller

      Lie­be Ange­la, bloß nicht mut­los wer­den. Im Moment geht es an vie­len Stel­len vor­an, in Frank­furt waren wir so vie­le, und es gibt über­all älte­re grün-den­ken­de Men­schen, die Lust dar­auf haben, ein biss­chen mit­zu­mi­schen. Im Ham­burg sin zum letz­ten Tref­fen sechs neue Mit­glie­der gekom­men. Es wird!

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