Kino-Film: Die Unbeugsamen

Kino-Tipp: Die Unbeugsamen

DIE UNBEUGSAMEN erzählt die Geschich­te der Frau­en in der Bon­ner Repu­blik, die sich ihre Betei­li­gung an den demo­kra­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen gegen erfolgs­be­ses­se­ne und amts­trun­ke­ne Män­ner wie ech­te Pio­nie­rin­nen buch­stäb­lich erkämp­fen muss­ten. Uner­schro­cken, ehr­gei­zig und mit unend­li­cher Geduld ver­folg­ten sie ihren Weg und trotz­ten Vor­ur­tei­len und sexu­el­ler Diskriminierung.

Hintergrund des Films

Petra Kel­ly

Als Tors­ten Kör­ner 2015 anfing, DIE UNBEUGSAMEN zu ent­wi­ckeln, war noch nicht abseh­bar, dass die ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len einen offen frau­en­feind­li­chen Prä­si­den­ten ins Wei­ße Haus brin­gen wür­den. Der Wein­stein-Skan­dal und die bis heu­te andau­ern­de #MeToo-Debat­te um Macht­miss­brauch und sexu­el­le Gewalt, wie auch der Auf­stieg von Popu­lis­ten, Auto­kra­ten und Clowns­po­li­ti­kern lag noch vor uns, als Kör­ner sich auf eine außer­ge­wöhn­li­che, ein­zig­ar­ti­ge fil­mi­sche Zeit­rei­se begab. Mit­rei­sen­de sind zahl­rei­che Pio­nie­rin­nen der Bon­ner Repu­blik, die er an ihre alten Wir­kungs­stät­ten ein­lud, um sie zu inter­view­en – dar­un­ter Her­ta Däub­ler-Gme­lin (SPD), Marie-Eli­sa­beth Klee (CDU), Ursu­la Männ­le (CSU), Chris­ta Nickels (Die Grü­nen), Ingrid Mat­thä­us-Mai­er (FDP/SPD), Rena­te Schmidt (SPD) und Rita Süss­muth (CDU). His­to­ri­sche Auf­nah­men zei­gen dar­über hin­aus poli­ti­sche Grö­ßen wie Aen­ne Brauk­sie­pe (CDU), Hil­de­gard Hamm-Brü­cher (FDP), Wal­traud Schop­pe und Petra Kel­ly (Die Grü­nen). Ein­drucks­voll und inspi­rie­rend schenkt der facet­ten­rei­che Rück­blick in die west­deut­sche Ver­gan­gen­heit wert­vol­le Impul­se für Gegen­wart und Zukunft.

Inhalt des Films

Poli­tik ist eine viel zu erns­te Sache,
als dass man sie allei­ne
den Män­nern über­las­sen könnte. 

Käte Stro­bel
Bun­des­mi­nis­te­rin 1966–1972

Poli­ti­ke­rin­nen von damals kom­men heu­te zu Wort. Ihre Erin­ne­run­gen sind zugleich komisch und bit­ter, absurd und bis­wei­len erschre­ckend aktu­ell. Ver­floch­ten mit zum Teil unge­se­he­nen Archiv-Aus­schnit­ten ist dem Doku­men­tar­fil­mer und Jour­na­lis­ten Tors­ten Kör­ner („Ange­la Mer­kel – Die Uner­war­te­te“) eine emo­tio­nal bewe­gen­de Chro­nik west­deut­scher Poli­tik von den 50er Jah­ren bis zur Wie­der­ver­ei­ni­gung geglückt. Die Bil­der, die er gefun­den hat, ent­fal­ten eine Wucht, die das Kino als Ort der poli­ti­schen Selbst­ver­ge­wis­se­rung neu ent­de­cken lässt. Ein erkennt­nis­rei­ches Zeit­do­ku­ment, das einen unüber­hör­ba­ren Bei­trag zur aktu­el­len Dis­kus­si­on leistet.

Die Frak­ti­ons­spre­che­rin­nen der Par­tei »Die Grü­nen« im Deut­schen Bun­des­tag, posie­ren im Bon­ner Par­la­ment vor dem Bun­des­ad­ler. Von links: Hei­de­ma­rie DANN, Anne­ma­rie BORGMANN, Ant­je VOLLMER, Eri­ka HICKEL, Wal­traud SCHOPPE und Chris­ta NICKELS. Auf­nah­me: 12.02.1984.

Trailer des Films

Offi­zi­el­ler Trailer

Kommentar von Luitgard Koch

Die span­nen­de und bewe­gen­de Chro­nik west­deut­scher Poli­tik von 1950 bis zur Wie­der­ver­ei­ni­gung ist ein Doku­men­tar­film wie er hell­sich­ti­ger und aktu­el­ler nicht sein könn­te. Obwohl die Geschich­te der Frau­en in der Bon­ner Repu­blik ein his­to­ri­sches Zeit­do­ku­ment ist, wirft die­ser unbe­dingt sehens­wer­te Rück­blick in Zei­ten von MeToo um Macht­miss­brauch und sexu­el­le Gewalt ein Schlag­licht auf das immer wie­der zurück­ge­dräng­te The­ma Eman­zi­pa­ti­on und Femi­nis­mus. Die stim­mi­gen Inter­views und his­to­ri­schen Auf­nah­men zei­gen wie sehr sich die Poli­ti­ke­rin­nen jed­we­der Cou­leur die Teil­ha­be an demo­kra­ti­schen Pro­zess im Bon­ner Par­la­ment gegen igno­ran­te Män­ner erkämp­fen muss­ten. Gro­ßes poli­ti­sches Kino, das selbst den nächs­ten Back­lash, der das Wort Femi­nis­tin wie­der zum Schimpf­wort dekla­riert, über­steht. Denn Bil­der und Fak­ten, die Regis­seur Tors­ten Kör­ner auf­be­rei­te­te, um der män­nerzen­trier­ten Geschichts­schrei­bung etwas ent­ge­gen­zu­set­zen, spre­chen für sich.“

– Luit­gard Koch. Zu ihrer aus­führ­li­chen Film­kri­tik: www.programmkino.de
Film-Aus­schnitt: »Der lan­ge Kampf«

Bericht des NDR zum Film: Tors­ten Kör­ner: »Wir brau­chen wie­der mehr Frau­en im Parlament«

Lite­ra­tur zum The­ma: Hein­rich Bölls letz­ter Roman „Frau­en vor Fluss­land­schaf­ten“ (Rezen­si­on dazu von Sarah Berg­mann).

Zusam­men­ge­stellt von Frank Spade.

Die Kurz-URL für die­sen Arti­kel ist: http://gruenealte.de/whitj

1 Kommentar

  1. Frank Spade

    Hat­te ihn ges­tern dank einer Ein­la­dung der Nau­mann Stif­tung anse­hen dür­fen und war sehr von der Cou­ra­ge der Damen berührt. Fazit: Sehr empfehlenswert!

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