Zukunft Alter in Frankfurt – der erste Schritt ist gemacht!

Def­ti­ge Küche in Frank­furt: Am Vor­abend haben wir uns schon mal getrof­fen, um den Ablauf noch ein­mal durch­zu­ge­hen. Im „ange­mal­ten Haus“ mit Moni­ka und Jörg Jenn­rich aus Bux­te­hu­de und Ste­phan Wie­se aus Lübeck.

Grü­ne-Alte-Pan­ora­ma: Bernd Schnei­der aus Frank­furt, 3. von links, hat­te das Äppel­woi-Lokal aus­ge­sucht – obwohl er selbst das „Hei­mat-Stöff­sche“ eigent­lich gar nicht trinkt… 

Gleich vorweg: dieser Post ist etwas länger als gewohnt – aber die Bedeutung unserer Veranstaltung rechtfertigt die Länge, denke ich.

Mode­ra­to­rin Hei­ke Leit­schuh mach­te schon zu Anfang klar, dass sie sehr streng sein wür­de, was den Zeit­plan angeht – und das war auch gut so bei unse­rem straf­fen Pro­gramm.

Die Begrü­ßung lief des­halb etwas anders ab als gewohnt, kei­ne lan­gen Ein­gangs­tate­ments und Gruß­wor­te, son­dern kur­ze Fra­gen an Anto­nia Schwarz als Spre­che­rin der Grü­nen Alten, an Petra Elsen­hei­mer als Spre­che­rin in Hes­sen und an Kai Klo­se, Vor­sit­zen­der der Grü­nen und Staats­se­kre­tär in Hes­sen.

 

Anto­nia stell­te klar, dass die Grü­nen Alten mehr Ein­fluss und Gewicht in der Par­tei wol­len, schließ­lich sei­en 22% aller Grü­nen über 60: „Es gibt uns seit 2004 – und vie­le ken­nen uns noch nicht mal!“ Ange­strebt sei des­halb eine Sat­zungs­än­de­rung mit dem Ziel, einen Alten­rat zu grün­den, bei einer BDK Anträ­ge stel­len zu kön­nen und mehr Unter­stüt­zung durch den Bun­des­vor­stand bei der Grün­dung neu­er Grup­pen.

Petra Elsen­hei­mer erklär­te, dass die Grü­nen Alten in Hes­sen zu allen Sit­zun­gen des Lan­des­vor­stan­des ein­ge­la­den wer­den– zwar ohne Stimm­recht, aber sie wür­den gehört. Des­halb sei­en auch Vor­schlä­ge der Grü­nen Alten ins Wahl­pro­gramm ein­ge­flos­sen.

Begrü­ßung mit Petra Elsen­hei­mer, links, Spre­che­rin der Grü­nen Alten in Hes­sen, Kai Klo­se, Lan­des­vor­stand und Staats­se­kre­tär in Hes­sen, Anto­nia Schwarz, Vor­sit­zen­de der Grü­nen Alten aus Ber­lin und Mode­ra­to­rin Hei­ke Leit­schuh (ganz rechts)

Kai Klo­se, Vor­sit­zen­der der hes­si­schen Grü­nen und Staats­se­kre­tär beton­te die gute Zusam­men­ar­beit mit den Grü­nen Alten

Auch Kai Klo­se beton­te, dass die Grü­nen Alten den glei­chen Sta­tus wie die Grü­ne Jugend hät­ten und  wie gut die Zusam­men­ar­beit funk­tio­niert.

Dann ging es wei­ter mit einer Podi­ums-Dis­kus­si­on, mit hoch­ka­rä­ti­gen Teilnehmer*innen.

Dag­mar Hir­che vom Ver­ein „Wege aus der Ein­sam­keit“ erreicht Älte­re auf unge­wöhn­li­che Wei­se: Sie orga­ni­siert Flashmobs (auch Blitz­auf­läu­fe genant) zum Welt­se­nio­ren­tag am 1.10. sowie Tref­fen in ange­sag­ten Sze­neclubs, wo rich­tig abge­tanzt wird. All for free, mit ganz viel Spaß und einem Glas Sekt inklu­si­ve. Ihr Ver­ein hat außer­dem inzwi­schen 4000 Senior*innen das klei­ne 1×1 von Smart­pho­ne und Tablet bei­gebracht, natür­lich eben­falls gra­tis. Sie for­dert kos­ten­frei­es WLAN in Senio­ren­hei­men – und wür­de sich sehr wün­schen, die­se For­de­rung auch im grü­nen Wahl­pro­gramm wie­der­zu­fin­den.

 

Podi­ums­dis­kus­si­on mit Caro­li­na Brauck­mann, links, Lan­des­fach­be­ra­tung gleich­ge­schlech­li­che Lebens­wei­sen im Alter NRW und Dag­mar Hir­che, rechts, vom Ver­ein „Wege aus der Ein­sam­keit“

Kor­du­la Schulz-Asche, MdB, grü­ne Spre­che­rin für Alten- und Pfle­ge­po­li­tik

Caro­li­na Brauck­mann, Lan­des­fach­be­ra­tung gleich­ge­schlech­li­che Lebens­wei­sen im Alter NRW for­der­te, dass es genü­gend Orte geben müs­se, an denen man sich mit 60+ zum Spaß­ha­ben tref­fen kann. Es gäbe schon so vie­le Erkennt­nis­se zu einer  leben­di­gen Quar­tiers­ar­beit, aber an der Umset­zung hape­re es. Dabei leben immer mehr Men­schen allein in ihren Woh­nun­gen, Ein­sam­keit ist ein gro­ßes Pro­blem, beson­ders im Alter. „Es gibt z.B. inzwi­schen gera­de mal zwei les­bisch-schwu­le Wohn­pro­jek­te in Deutsch­land, das wird nicht der Regel­fall wer­den.“ In den Nie­der­lan­den sei man schon viel wei­ter und hät­te ande­re Alters­bil­der. In Deutsch­land wer­de immer nur pro­jekt­be­zo­gen agiert. Wenn sich die Regie­rungs­far­be ändert, ster­ben oft auch die ange­scho­be­nen Pro­jek­te. 

 

Jeder Platz war besetzt, es waren mehr Teilnehmer*innen gekom­men, als ange­mel­det waren, wir muss­ten noch Stüh­le dazu­stel­len

Unser Schatz­meis­ter Frank Hau­ser aus Köln hak­te alle Ankom­men­den auf der Anmel­dungs­lis­te ab

Kor­du­la Schulz-Asche, grü­nes Mit­glied des Bun­des­ta­ges, Spre­che­rin für Alten- und Pfle­ge­po­li­tik erklär­te gleich, war­um: In Deutsch­land geben wir nur 1% unse­res Brut­to­in­land­pro­duk­tes für Pfle­ge aus, in den Nie­der­lan­den sind es 4% und in Skan­di­na­vi­en sogar 5%. Ein gro­ßes Pro­blem sei auch die Belas­tung für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge. Oft sei­en es ja die 70 –Jäh­ri­gen, die die 90-Jäh­ri­gen pfle­gen müss­ten. Bei demen­ten Fami­li­en­mit­glie­dern ist es beson­ders nachts wich­tig, zu ent­las­ten. In Hol­land gibt es das Buurt­zorg-Modell, ambu­lan­te Pfle­ge mit sehr klei­nem Ein­zugs­ge­biet, mit höchst moti­vier­ten, gut bezahl­ten Pfleger*innen, die sich für die Älte­ren wirk­lich Zeit neh­men kön­nen. In Deutsch­land wird Alten­pfle­ge nicht geschätzt, es herrscht die Mei­nung vor, das kann jede*r machen. Eine Aus­nah­me bil­de da nur Rhein­land-Pfalz. Auch sie fin­det es scha­de, dass so vie­le Infor­ma­tio­nen z.T. schon seit 30 Jah­ren vor­lie­gen, zur Migra­ti­ons­be­we­gung, zur Land­flucht, zum Alter. Von 2004 bis 2007 hat die Enqête-Kom­mis­si­on wich­ti­ge Daten zum demo­gra­fi­schen Wan­del vor­ge­legt, die jetzt erst als bri­sant gehan­delt wer­den. „Wir müs­sen ehr­lich sein, Pro­ble­me anspre­chen und klä­ren, wer bezahlt!“

Wil­fried Ahrens von der Grup­pe 50+ bei Green­peace

Wil­fried Ahrens ver­tritt die Grup­pe 50+ bei Green­peace, etwa 10 sol­cher Grup­pen exis­tie­ren in Deutsch­land. Die Älte­ren, die sich anschlie­ßen, wol­len nicht Kaf­fee­trin­ken, son­dern gemein­sa­me Aktio­nen umset­zen. Sie klet­tern zwar nicht mehr auf Schorn­stei­ne, aber der Vor­teil der Älte­ren, so Wil­fried Ahrens, sei: „Wir haben Zeit, kön­nen nicht mehr den Arbeits­platz ver­lie­ren, weil wir Unlieb­sa­mes tun – und wenn wir ver­haf­tet wer­den, ist das auch nicht so schlimm.“ Zur Zeit kom­men gera­de ganz vie­le Men­schen zu Green­peace auf­grund der Rodung des Ham­ba­cher Wal­des. Wer­ben müss­ten die Grup­pen nie, die Men­schen kom­men von allein.

Die Dis­kus­si­on war aber nicht nur im Podi­um leb­haft, auch Teilnehmer*innen hat­ten vie­le Fra­gen und State­ments. Ste­phan Wie­se aus Lübeck wünsch­te sich end­lich die Bür­ger­ver­si­che­rung, ein Mit­glied der Grü­nen Alten in Baden-Wür­tem­berg woll­te wis­sen, war­um die The­men Ren­te und Alters­ar­mut für vie­le Bun­des­grü­ne so wenig beach­tet wür­den und woll­te gern For­de­run­gen an die eige­ne Par­tei dis­ku­tie­ren. Chris­ti­an Hohn aus Olpe/NRW beklag­te, dass älte­re Men­schen oft die fal­schen Medi­ka­men­te bekä­men, Harald Wöl­ter aus Müns­ter berich­te­te von der auf­su­chen­den Sozi­al­ar­beit– was ich um die auf­su­chen­den Haus­be­su­che ab 80 Jah­ren in Ham­burg ergän­zen konn­te.

Auch nach der Dis­kus­si­on gab es viel Rede­be­darf

Dag­mar Hir­che for­der­te alle auf, laut zu sein, in den sozia­len Netz­wer­ken genau­so wie in der rea­len Welt. Ihr liegt beson­ders am Her­zen, die Älte­ren digi­tal mit­zu­neh­men. Das unter­stütz­te auch Kor­du­la Schulz-Asche: „So gut wie alle Apps wer­den von wei­ßen Män­nern zwi­schen 30 und 40 gemacht. “Wir brau­chen Älte­re, die digi­tal unter­wegs sind. Und schlug gleich ein kon­kre­tes Pro­jekt für die Grü­nen Alten vor: Einen Kon­gress zur Digi­ta­li­sie­rung älte­rer Men­schen. Gute Idee!

Wahl­for­scher Prof. Probst bei sei­nem über­zeu­gen­den Vor­trag. Wer ihn ganz lesen will, kann das hier tun

Dann wur­de es beson­ders span­nend, als der Wahl­for­scher Prof. em. Dr. Lothar Probst aus Bre­men erklär­te, war­um sich die Grü­nen mehr um die älte­ren Wähler*innen küm­mern soll­ten. Bis­her war die Genera­ti­on 60+ offen­bar eine Art Achil­les­fer­se für die Grü­nen, da sie in der Alters­grup­pe wenig punk­ten konn­ten. Man spricht in die­sen Alters­grup­pen auch gern von der Ade­nau­er- oder der Wil­ly-Genera­ti­on, die fest in CDU- bzw. SPD-Hand war, so Probst. Das hat sich offen­bar geän­dert, seit die 68er in die Jah­re gekom­men sind. Dif­fe­ren­ziert man zwi­schen 60+ und 70+ wer­den die Grü­nen bei den jun­gen Alten zwi­schen 60 und 70 Jah­ren immer stär­ker! Das sei aber kein Selbst­läu­fer, man soll­te auch auf die Erfol­ge die­ser Alters­grup­pe für die heu­ti­ge Zeit hin­wei­sen.

Das dicke Plus: in die­ser Alters­grup­pe wer­den die Grü­nen auto­ma­tisch als Gegen­pol zur AFD wahr­ge­nom­men, die gern von der ver­siff­ten grü­nen 68-er-Genera­ti­on reden.

Ein lecke­res Buf­fet mit Kaf­fee, Was­ser und Säf­ten sorg­te für Stär­kung in den Pau­sen

Wie bei den Grü­nen gene­rell, sind es auch bei den Älte­ren eher die Frau­en, die grün wäh­len. Und da die Älte­ren über­pro­por­tio­nal wäh­len gehen (anders als die jun­gen Wähler*innen) und die 60+ Grup­pe wächst, wäh­rend die Grup­pe der Jun­gen schrumpft, ist die 60+ Kohor­te unter dem Strich für das Wahl­er­geb­nis der Grü­nen wich­ti­ger als die der Jun­gen. Er emp­fiehlt der Par­tei des­halb, sich mehr als bis­her an den Älte­ren zu ori­en­tie­ren.

Dabei soll­te man berück­sich­ti­gen, dass die Älte­ren kei­ne homo­ge­ne Grup­pe sind. Die Par­tei der Grau­en Pan­ther, die die Älte­ren in ihrer Gesamt­heit ansprach, hat­te des­halb wenig Erfolg.

Da gibt es die Fit­ten und die Gebrech­li­chen, die sozi­al abge­si­cher­ten und die, die es nicht sind, Män­ner und Frau­en, Älte­re mit Kin­dern und ohne, Sin­gle und in Part­ner­schaft leben­de Älte­re, Stadt-Land-Bewohner*innen, Men­schen vor und nach der Ren­te…

Probst griff auch den Aspekt auf, wie sexy Alten­po­li­tik ist (ich hat­te erzählt, dass mir der feh­len­de Sex­ap­peal oft als Argu­ment von grü­nen Politiker*innen ent­ge­gen­ge­bracht wird). Er ist der Mei­nung, dass Poli­tik für Älte­re durch­aus sexy sein kann und auch Jün­ge­re errei­chen kann. Es müs­se halt das pas­sen­de Gesicht auf bun­des­po­li­ti­scher Ebe­ne die­se Poli­tik ver­tre­ten.

Auch am Ran­de der Ver­an­stal­tung wur­de viel dis­ku­tiert

Auch inter­es­sant: Das pater­na­lis­ti­sche Ver­hält­nis, das die Grü­nen den Älte­ren ent­ge­gen­brin­gen. Von Älte­ren wird gespro­chen wie von einer beson­ders schutz­be­dürf­ti­gen Spe­zi­es, die man umsor­gen muss, die nicht selbst für sich sor­gen kön­nen.  Gera­de aber die jun­gen fit­ten Älte­ren wol­len akti­ve Gestal­ter der Gesell­schaft sein. Wich­tig sei­en des­halb Mög­lich­kei­ten der Teil­ha­be der Älte­ren. Schließ­lich  küm­mer­ten die sich eh schon um wich­ti­ge gesell­schaft­li­che Auf­ga­ben, indem sie die Fami­lie unter­stüt­zen, sich um Eltern und Enkel küm­mern, bei Schu­le und Job hel­fen. „Älte­re kön­nen wich­ti­ge Brü­cken bil­den zwi­schen eige­ner Erfah­rung und neu­en Her­aus­for­de­run­gen“, meint der Wahl­for­scher. „Gleich­zei­tig ent­wi­ckeln sie eine hohe Sen­si­bi­li­tät für Zukunfts­fra­gen: Sie wün­schen sich eine gesun­de Umwelt für ihre Kin­der und Enkel­kin­der.“

Für wich­tig hält er es, sich mit fol­gen­den The­men zu beschäf­ti­gen: Die siche­re und aus­kömm­li­che Ren­te, Älter­wer­den auf dem Land, Nah­ver­sor­gung, Ange­bot an Ärz­ten und Kran­ken­häu­sern, die erreich­bar sind.

Vie­le Bun­des- und Lan­des­fly­er lagen zur Info aus

Auch er ist der Mei­nung, dass Alten-WGs schon inter­es­sie­ren, aber letzt­end­lich nur eine klei­ne Min­der­heit anspre­chen wer­den. Die Grü­nen soll­ten des­halb genau­so für tra­di­tio­nel­le Wege des Älter­wer­dens Lösun­gen anbie­ten. Zum Bei­spiel durch mehr und bes­se­re ambu­lan­te Betreu­ung, den Aus­bau ger­ia­tri­scher Abtei­lun­gen, die För­de­rung von gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen für Jung und Alt, z.B. bei Kita und Pfle­ge­hei­men. Und die Unter­stüt­zung von Ange­hö­ri­gen bei der Betreu­ung. Außer­dem sei für Älte­re das Gefühl der Sicher­heit auf der Stra­ße sehr wich­tig, dunk­le, schlecht beleuch­te­te Wege wür­den dage­gen ver­un­si­chern, genau wie Stol­per­fal­len und die Angst vor Kri­mi­na­li­tät, z.B. durch Enkel­tricks.

CDU und SPD hät­ten sich immer schon um Älte­re geküm­mert und haben mil­li­ar­den­schwe­re  Ren­ten­er­hö­hun­gen vor Wah­len initi­iert, weil sie in den Älte­ren ihr Poten­ti­al sehen.

Dis­kus­si­on über die Mög­lich­keit eines intel­li­gen­ten digi­ta­len Blin­den­stabs

Man brau­che bei den Grü­nen zwar kein Pro­gramm nur für Älte­re, aber ein Kapi­tel im Grund­satz­pro­gramm soll­te schon dabei sein.

Mein Anlie­gen: eine gute deutsch­land­wei­te Ver­net­zung der Grü­nen Alten über unse­re Home­page

Da der Vor­trag von Prof. Probst so inter­es­sant war, habe ich ihm einen Teil mei­ner Zeit gespen­det – ich war näm­lich als Nächs­te mit einem Rede­bei­trag an der Rei­he, um über eine eine bes­se­re grü­ne Online-Ver­net­zung der Grü­nen Alten zu spre­chen.

Ich wün­sche mir dafür Bei­trä­ge aus allen Bun­des­län­dern für die­sen Blog auf unse­rer Home­page, alle Daten und Kon­tak­te von Tref­fen der Grü­nen Alten, Kom­men­ta­re und Reak­tio­nen auf Face­book- und Blog­posts. Und eine stär­ke­re Mit­ar­beit von wei­te­ren Mit­glie­dern beim Bun­des­vor­stand.

 

Zum Schluss ging es noch ein­mal hoch her. Unser 2. Spre­cher der Grü­nen Alten, Bernd Gosau, berich­te­te, wie die Zusam­men­ar­beit mit dem Bun­des­vor­stand (BuVo) bis­her gelau­fen ist und stell­te unse­ren Sat­zungs­an­trags-Vor­schlag vor.  

 

Kat­ja Dör­ner, links, MdB und stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der grü­nen Bun­des­tags­frak­ti­on

Und dann war Kat­ja Dör­ner dran, MdB und stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der grü­nen Bun­des­tags­frak­ti­on. Sie erklär­te gleich, dass sie nicht für den BuVo spre­chen könn­te, da sie nicht Mit­glied sei. Aber gene­rell kön­ne sie schon sagen, dass wir Grü­nen gene­rell kei­ne Top­down-Par­tei sei­en, man kön­ne nicht auf Bun­des­ebe­ne eine Teil­or­ga­ni­sa­ti­on grün­den. Von Micha­el Kell­ner ließ sie aus­rich­ten, dass es gro­ßes Inter­es­se gäbe, die Grü­nen Alten zu unter­stüt­zen. „Wenn es noch kei­ne Struk­tur gibt, dann wol­len wir die gemein­sam ent­wi­ckeln.“ Sie begrüß­te auch sehr, dass bun­des­weit Grü­ne Alte nach Frank­furt gekom­men sind. Aber, da wir eben ein Bot­tom-up-Ver­ein sind, müss­te wir erst bun­des­weit flä­chen­de­ckend auf­ge­stellt sein, bevor wir eine Teil­or­ga­ni­sa­ti­on grün­den kön­nen. Bis z.B. die BAG Kin­der- und Fami­lie gegrün­det wer­den konn­te, hät­ten auch 5 ent­spre­chen­de LAGs gegrün­det wer­den müs­sen und das Gan­ze hät­te acht Jah­re gedau­ert. Den Sat­zungs-Antrag auf einer BDK im Jahr 2020 zu stel­len – wie von Bernd Gosau vor­ge­schla­gen – hält sie für einen schlech­ten Zeit­plan, um das The­ma Teil­or­ga­ni­sa­ti­on zu behan­deln, da sol­le man nichts ver­mi­schen.  Sie kann sich nicht vor­stel­len, dass wir damit Erfolg hät­ten.

Anschlie­ßend wur­de hef­tig dis­ku­tiert, es gab viel Ent­täu­schung und Unver­ständ­nis über die­se erneu­te offen­sicht­li­che Absa­ge des BuVos, uns jetzt zu unter­stüt­zen. Beson­ders Anto­nia war frus­triert, weil wir uns seit vie­len Jah­ren um die Unter­stüt­zung der Lan­des­ver­bän­de bemü­hen, ohne deren Hil­fe wir kei­ne bun­des­wei­ten Grup­pen auf­bau­en kön­nen. Es gibt sowohl Kräf­te im BuVo und in den Lan­des­vor­stän­den (LaVos), die uns Stei­ne in den Weg legen. Anto­nia beton­te als Spre­che­rin, sie kön­ne das Argu­ment nach­voll­zie­hen, dass Neu­grün­dun­gen von der Basis kom­men müss­ten. Am Ende sei­en aber die Basis­grup­pe auf Unter­stüt­zung durch die jewei­li­gen Lan­des­ver­bän­de ange­wie­sen. Denn die Adres­sen der Mit­glie­der lie­gen dort vor, die Basis­grup­pen sind auf Unter­stüt­zung der Lan­des­ver­bän­de ange­wie­sen, denn nur sie haben – aus berech­tig­ten Daten­schutz­grün­den – Zugang zu den Mit­glieds­da­ten. Die Bit­te an Lan­des­ver­bän­de – wie z.B an den Lan­des­ver­band Bay­ern, die Mit­glie­der ab 60 zu infor­mie­ren, dass Initia­tiv­grup­pen als Grü­ne Alte aktiv wer­den wol­len und ande­re sich anschlie­ßen kön­nen, wer­den mit Argu­men­ten wie »unse­re Alten sind noch ganz mun­ter« blo­ckiert und ver­wei­gert. Den Vor­schlag als Bun­des­vor­stand Grü­ne Alte zu einem Tref­fen von Bund und Län­dern zu kom­men, um über die Unter­stüt­zung von Neu­grün­dung von Grü­nen Alten zu spre­chen, ist mehr­fach mit dem Argu­ment blo­ckiert wor­den, dass drin­gend ande­re Anlie­gen bespro­chen wer­den müs­sen.

Von meh­re­ren Sei­ten kam der Ver­gleich von Hen­ne und Ei: Wir kom­men nicht wei­ter, weil die Struk­tu­ren feh­len. Aber wie sol­len wir Struk­tu­ren auf­bau­en, älte­re Grü­ne ein­la­den, wenn uns die Lan­des­ver­bän­de und Ber­lin nicht dabei hel­fen?

Viel Dis­kus­si­on um die Reser­viert­heit der Par­tei

Kat­ja riet, dass wir bei einem der regel­mä­ßig statt­fin­den­den BuVo-LaVo Tref­fen dabei sein soll­ten, um unser Pro­jekt vor­zu­stel­len. Außer­dem könn­ten wir ein GA-Tref­fen am Ran­de einer BDK orga­ni­sie­ren (klei­ne Anmer­kung: das haben wir schon ver­sucht, es hieß, es sei kein Raum für uns da. Aber man kann natür­lich einen neu­en Ver­such machen, seufz…) Sie hielt die­sen, vom BuVo finan­zier­ten Kon­gress für eine gute Start­hil­fe.

Micha­el Göring aus Thü­rin­gen hat­te zum ers­ten­mal von den GA gehört und mein­te, das wür­de in den Ost­län­dern wohl vie­len genau wie ihm gehen. Von die­sem Kon­gress soll­te ein Auf­ruf aus­ge­hen, flä­chen­de­cken­de Struk­tu­ren auf­zu­bau­en.

Ein­zel­ne GAs erzähl­ten von Grün­dungs­ver­su­chen und Unter­stüt­zungs­zu­sa­gen, die nicht ein­ge­hal­ten wur­den.

Ande­re schlu­gen vor, dass ein Bericht über die­se Ver­samm­lung von den grü­nen Medi­en ver­öf­fent­licht wer­den soll­te.

Die gesam­mel­ten Vor­schlä­ge zum Wei­ter­ma­chen

Wir sam­mel­ten Ide­en für das wei­te­re Vor­ge­hen und ein Mei­nungs­bild am Ende der Ver­an­stal­tung zeig­te, dass die eine Hälf­te der Anwe­sen­den ganz zufrie­den mit den Ergeb­nis­sen des ers­ten Tref­fens der bun­des­grü­nen Alten war, die ande­re Hälf­te mehr erwar­tet hät­te vom Tref­fen. Beson­ders, was die Offen­heit des BuVos anging, gab es viel Frust. 

Ich den­ke aber: ein Anfang ist gemacht– und jetzt machen wir wei­ter. Mit mehr Unter­stüt­zung im Rücken durch vie­le enga­gier­te Mit­glie­der, die Lust haben, sich ein­zu­brin­gen. Durch bun­te Blog-Arti­kel aus den Län­dern über die unter­schied­lichs­ten Akti­vi­tä­ten. Durch die Mit­ar­beit im Ver­ein der Bun­des­grü­nen Alten. Durch eine leben­di­ge Dis­kus­si­on auf der Face­book­sei­te. Durch regel­mä­ßi­ge Tref­fen – viel­leicht schon am Ran­de der nächs­ten BDK in Leip­zig (9.–11.11.18)?

 

Fotos: Chris­ta Möl­ler, Moni­ka Jenn­rich

 

 

Die Kurz-URL für die­sen Arti­kel ist: https://wp.me/p84Y3M-D1

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2 Kommentare

  1. stephan wiese

    Die Zusam­men­fas­sung ist sehr gut.Die Kri­tik am BUVO hal­te ich aber für zu hart.Ich den­ke ‚wir müs­sen flä­chen­de­ckend in Län­dern prä­sent ‚dann kön­nen wir Betei­li­gungs­rech­te einfordern.Die Dis­kus­si­ons­lei­tung von Frau Leit­schuh fand zum Teil unter­ir­disch streng,wenn sogar ein Refe­rent noch auf die Zeit hin­ge­wie­sen wurde.Das war nicht nötig.Hab den Bericht mal auf:
    http://www.wordpress.com/post/gruenealteluebeck.wordpress.com/44

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    • Christa Möller Christa Möller

      Das sehen die Akti­ven, die schon lan­ge dabei sind, anders. Natür­lich muss der Schritt von der Basis kom­men – aber das tut er ja auch. Des­halb waren an einem Sams­tag ja so vie­le Grü­ne Alte in Frank­furt zusam­men gekom­men, obwohl sie die Rei­se­kos­ten z.T. sel­ber getra­gen haben. Anto­nia Schwarz hat das ja auch schon for­mu­liert: „Die Bit­te an Lan­des­ver­bän­de – wie z.B an den Lan­des­ver­band Bay­ern, die Mit­glie­der ab 60 zu infor­mie­ren, dass Initia­tiv­grup­pen als Grü­ne Alte aktiv wer­den wol­len und ande­re sich anschlie­ßen kön­nen, wer­den mit Argu­men­ten wie »unse­re Alten sind noch ganz mun­ter« blo­ckiert und ver­wei­gert. Den Vor­schlag als Bun­des­vor­stand Grü­ne Alte zu einem Tref­fen von Bund und Län­dern zu kom­men, um über die Unter­stüt­zung von Neu­grün­dung von Grü­nen Alten zu spre­chen, ist mehr­fach mit dem Argu­ment blo­ckiert wor­den, dass drin­gend ande­re Anlie­gen bespro­chen wer­den müs­sen.“

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