Verlieren die Grünen 60+Wähler?

Ver­lie­ren die Grü­nen ihre Wäh­ler über 60? Eine gut besuch­te Dis­kus­si­ons­run­de auf dem 28. Coun­cil der Euro­pa­grü­nen

Die Green Seni­ors von links: Bir­git Mein­hard-Schie­bel aus Öster­reich, Frank Hau­ser aus Deutsch­land, Vivi­an­ne Gun­nars­son aus Schwe­den, Rei­no Lam­pi­nen aus Finn­land, Kris Fie­rens aus Bel­gi­en – ich durf­te dies­mal mit­fah­ren

Zwei­mal im Jahr tref­fen sich die grü­nen Par­tei­en Euro­pas, um über  poli­ti­sche Zie­le und Erfol­ge zu reden. Mit dabei sind die Euro­päi­schen Grü­nen Alten, die wäh­rend der Tagung an ihrem Stand Info­ma­te­ri­al von ENGS (European Green Seni­ors) ver­tei­len und eine Ver­an­stal­tung orga­ni­sie­ren. Tagungs­ort war dies­mal Ant­wer­pen, die Fra­ge­stel­lung der Green Seni­ors: „Die Wah­len ver­lie­ren, weil man älte­re Wäh­ler ver­liert!“ – ein The­ma, das uns sowohl bei den Bun­des­grü­nen als auch bei den  Ham­bur­ger Alten sehr beschäf­tigt. Und das offen­bar auch vie­le jün­ge­re Grü­ne inter­es­sier­te, die zum Vor­trag von Frank Hau­ser, unse­rem Bun­des­grü­nen Schatz­meis­ter aus Köln, kamen.

U.a. waren die Grü­ne Jugend ver­tre­ten, Glo­bal Green, Green­peace und das European Net­work. Und grü­ne Besu­cher aus den unter­schied­lichs­ten Län­dern von Ita­li­en über Luxem­burg bis zu den Nie­der­lan­den. 

Frank hielt gleich zu Beginn fest: Leu­te über 50 gehen wäh­len! Aber sie wäh­len in den ver­schie­dens­ten Län­dern viel weni­ger grün als der Jün­ge­re wie Wahl­sta­tis­ti­ken aus Schwe­den, Öster­reich und Deutsch­land zei­gen. Bei der Euro­pa­wahl 2014 in Deutsch­land zum Bei­spiel wähl­ten die über 70Jährigen nur zu 3% Grün. Zur Grün­dungs­zeit der Grü­nen waren aber sehr vie­le Men­schen in Bewe­gung und grün inter­es­siert, pro­tes­tier­ten gegen Atom­kraft­wer­ke und gin­gen für den Frie­den auf die Stra­ße. Wo ist der Pro­test der älte­ren Genera­tio­nen geblie­ben? Wäre doch inter­es­sant, das ein­mal genau­er unter die Lupe zu neh­men. Eine Ver­mu­tung, die sich aus zahl­rei­chen Gesprä­chen an grü­nen Stän­den ergibt: Vie­le Älte­re den­ken nicht, dass die grü­ne Par­tei etwas für sie tut.

Älte­re und Jün­ge­re brau­chen ein­an­der, wir brau­chen jede*n‹ war vor­herr­schen­de Mei­nung

Frank Hau­ser prä­sen­tiert Zah­len aus Deutsch­land, Schwe­den und Öster­reich

An die­ser Fra­ge­stel­lung ent­spann sich eine leb­haf­te Dis­kus­si­on. Kim van Spar­ren­tak, Co-Spre­che­rin der Grü­nen Jugend aus den Nie­der­lan­den fin­det es gut, dass die Grü­nen heu­te nicht mehr von älte­ren Män­nern in lang­wei­li­gen Anzü­gen reprä­sen­tiert wer­den, son­dern von fri­schen, jun­gen Gesich­tern. Sie frag­te sich aller­dings, wie die Beschrän­kung auf die jun­gen Genera­tio­nen wohl auf die Älte­ren wir­ke, ob die sich mit Par­tei über­haupt noch inden­ti­fi­zie­ren könn­ten? Ich hab geant­wor­tet, dass ich es per­sön­lich toll fin­de, end­lich jun­ge Frau­en an der Spit­ze einer Par­tei zu sehen – aber dass wir Viel­falt, Diver­si­tät brau­chen. Und das nicht nur bezo­gen auf sexu­el­le Vor­lie­ben, Geschlecht, Reli­gi­on und Her­kunft, son­dern genau­so aufs „Alter!

Kim fin­det es im Übri­gen befremd­lich, dass Älte­re oft als Groß­el­tern  argu­men­tie­ren, die die Welt ret­ten wol­len für ihre Kin­der und Enkel­kin­der. Sie mein­te, es soll­te lie­ber erklärt wer­den,  was der Kli­ma­wan­del für älte­re Men­schen bedeu­ten kann. Zum Bei­spiel, wenn es in süd­li­chen Län­dern hei­ßer als nor­mal wird, und vie­le Älte­re die hohen Tem­pe­ra­tu­ren nicht aus­hiel­ten und krank wür­den. Vivi­an­ne Gun­nars­son, Green Seni­or aus Schwe­den hielt dage­gen, dass es in Schwe­den sogar eine Grand Par­ents Cli­ma­te Group gäbe, die sehr erfolg­reich arbei­te.

Green Seni­ors am Abend – mit lecke­rem bel­gi­schem Bier!

Ande­re mein­ten, die Par­tei wür­de schon viel für Älte­re tun, aber nie dar­über reden. Das sei sicher ein Feh­ler. Eine Ver­tre­te­rin von Glo­bal Green erzählt von gemein­sa­men erfolg­rei­chen Aktio­nen von Jung und Alt. Die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Bir­git Mein­hard-Schie­bel aus Wien wur­de extra als Abge­ord­ne­te ein­ge­setzt, damit die Pro­ble­me Älte­rer bes­ser auf­ge­grif­fen wer­den kön­nen.

Zwei Pro­ble­me wur­den letzt­end­lich benannt, um die man sich drin­gend küm­mern soll­te:

1.Wie geht die Par­tei mit Älte­ren um?

2.Wie kön­nen wir mehr Älte­re für Wah­len gewin­nen?

Viel­leicht bräuch­ten wir eine Stu­die: wie grün den­ken Men­schen ab 60? Und sicher brau­chen wir mehr Anspra­che der Älte­ren, in Pro­gram­men und auf Wahl­pla­ka­ten. 

 

 

 

 

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