Pflegende Angehörige unter Dauerstress!

Aus­zug aus der Rede von Chris­ta Möl­ler, grü­ne Spre­che­rin für Senior*innenpolitik in der Ham­bur­gi­schen Bür­ger­schaft

Ich bin ver­zwei­felt, ich weiß nicht, ob ich noch jeman­den in die Woh­nung las­sen kann, ich habe beim Ein­kau­fen oder im Bus Angst – ich darf auf gar kei­nen Fall erst mich und dann mei­ne eige­ne Fami­lie mit Coro­na anste­cken.“

Sol­che Sät­ze hör­te man  in den letz­ten Wochen, wenn man mit Men­schen sprach, die ihre Zu- oder Ange­hö­ri­gen pfle­gen.

Die Furcht davor, die eige­ne Fami­lie zu gefähr­den, gesund­heit­lich aus­zu­fal­len oder die Auf­ga­ben nicht mehr schul­tern zu kön­nen, ist immer prä­sent.

Das hat auch die ers­te Coro­na-Stu­die zur Situa­ti­on pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger unter Lei­tung der Geron­to­lo­gin und Pro­fes­so­rin Dr. Kuhl­mey von der Ber­li­ner Cha­ri­té gezeigt.

Mit Coro­na hat sich die­se Sor­ge um die Zu- und Ange­hö­ri­gen ver­viel­facht.

Pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge, das sind Berufs­tä­ti­ge, Rentner*innen oder Selbst­stän­di­ge, Men­schen, die sich um meh­re­re Per­so­nen für einen lan­gen Zeit­raum küm­mern, oder Men­schen, die sich ein­ma­lig eine begrenz­te Aus­zeit aus dem Beruf neh­men.

Und obwohl die Grup­pe so unter­schied­lich ist, ist ihnen eines doch gemein:

Es sind meist Frau­en, die pfle­gen. Wie im gesam­ten Care-Bereich.

Die unglei­che Ver­tei­lung von Erwerbs- und Sor­ge­ar­beit auf Frau­en und Män­ner, aber auch die schlech­te Ver­ein­bar­keit die­ser Berei­che ist ein ekla­tan­tes Gerech­tig­keits­pro­blem!

Ich habe gera­de letz­te Woche mit einer frei­en Jour­na­lis­tin gespro­chen, die ihren Job end­gül­tig auf­ge­ge­ben hat, um auch in Coro­na-Zei­ten ihren Mann pfle­gen zu kön­nen.

Der durch Coro­na ent­stan­de­ne Betreu­ungs­eng­pass für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge ist der Situa­ti­on von Fami­li­en mit Kin­dern sehr ähn­lich.

Ver­gleich­ba­re Leis­tun­gen – wie die Lohn­fort­zah­lung auf­grund feh­len­der Betreu­ung – sind für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge jedoch so gut wie aus­ge­blie­ben.

Dabei ist Fami­li­en­ar­beit in moder­nen – sprich altern­den Gesell­schaf­ten – nicht nur die Auf­ga­be, unse­re Kin­der zu erzie­hen, son­dern es wird auch zuneh­mend wich­ti­ger,  zu pfle­gen:

Pfle­ge­be­dürf­ti­ge Kin­der und Jugend­li­che natür­lich. Durch den demo­gra­fi­schen Wan­del aber vor allem hoch­be­tag­te Men­schen. Die eige­nen Eltern, Groß­el­tern oder die Lebens-Partner*innen.

Pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge wer­den aber noch lan­ge nicht in dem Maße gese­hen und unter­stützt, wie sie es brau­chen und wie sie es ver­die­nen – die Pro­blem­la­gen sind nicht neu, aber spä­tes­tens seit Coro­na unüber­seh­bar.

Als Grü­ne wol­len wir eine Aner­ken­nung die­ser Leis­tung.

Dafür set­zen wir uns im Bund und in Ham­burg ein.

Im rot-grü­nen Koali­ti­ons­ver­trag für Ham­burg sind wich­ti­ge Ansatz­punk­te ent­hal­ten.

Dazu gehö­ren der Aus­bau der Kurz­zeit­pfle­ge, der Pfle­ge­not­ruf und die spe­zi­el­le Berück­sich­ti­gung von Kin­dern in der Pfle­ge.

Und wir wer­den auch für eine bes­se­re Ver­tre­tung der pfle­gen­den Zu- und Ange­hö­ri­gen im Lan­des­pfle­ge­aus­schuss sor­gen!

Die Kurz-URL für die­sen Arti­kel ist: http://gruenealte.de/iudvs

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