#LAZu40: Die Deutschen wollen ein Lebensarbeitszeitkonto

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Andre­as Geis prä­sen­tiert die for­sa-Stu­die

Die Deut­schen sind erstaun­lich zufrie­den – das zeig­te gera­de eine for­sa-Umfra­ge im Auf­trag der Körber-Stiftung*1), die wäh­rend der Kon­fe­renz „Arbeit, Ren­te, unver­sorgt? Was uns über­mor­gen erwar­tet“ vor­ge­stellt wur­de. 89 von 100 Befrag­ten hal­ten ihren Arbeits­platz für sicher, beson­ders die Jün­ge­ren sehen das so. Jeder zwei­te wür­de in sei­nem Leben nichts anders machen. Gene­rell gab es eine gro­ße Bereit­schaft zum lebens­lan­gen Ler­nen und den Wunsch nach Sicher­heit, auch im Job. Genau­so wich­tig wie Sicher­heit sind für mehr als 95% ein gutes Betriebs­kli­ma und der Sinn der eige­nen Arbeit. Dann kom­men erst Gehalt und gute Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf.

Und es gab auch Kri­tik. 56% sagen, sie sei­en häu­fig gestresst, beson­ders Frau­en in der Lebens­mit­te waren sehr gestresst. Alle wün­schen sich mehr Zeit als sie im Moment haben. Im Schnitt woll­ten alle Teilnehmer*innen etwa 6 Stun­den weni­ger arbei­ten als bis­her. Das klas­si­sche Modell – Mann arbei­tet, Frau küm­mert sich um die Kin­der – wol­len nur noch 4% der Befrag­ten. 39% wün­schen sich eine part­ner­schaft­li­che Tei­lung aller Auf­ga­ben – die wird aber zur Zeit nur von 4 aus 100 Fami­li­en gelebt! In 59% arbei­tet die Frau weni­ger und küm­mert sich um Kin­der und Küche! In 13% der Fami­li­en steigt sie sogar ganz aus dem Job aus.

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Viel Input – wir Ham­bur­ger Grü­ne Alte machen Kaf­fee­pau­se

Über 70% wün­schen sich unver­plan­te Zeit, ein­fach mal nichts tun. 81 % wür­den gern ein Lebens­zeit­kon­to ein­rich­ten, auf das sie Arbeits­zeit ein­zah­len könn­ten. Und dadurch Aus­zei­ten neh­men kön­nen in schwie­ri­gen Zei­ten, z.B. in der Rush Hour des Lebens, wo Kind und Beruf zu ver­ein­ba­ren sind. Die Mehr­heit wür­de das Kon­to aller­dings nut­zen wol­len, um eher mit der Arbeit auf­hö­ren zu kön­nen. Eine län­ge­re Lebens­ar­beits­zeit, die sich an die Lebens­er­war­tung anpasst, wird von den meis­ten Men­schen bis­her nicht gewünscht.

Was auf­fällt: die meis­ten Men­schen sehen gene­rel­le gesell­schaft­li­che Pro­ble­me. Glau­ben aber, sich selbst irgend­wie ganz gut durch­wurs­teln zu kön­nen. Als ob bei­des nichts mit­ein­an­der zu tun hat. Nur beim Blick aufs Über­mor­gen wird die Zukunft von allen Genera­tio­nen ziem­lich schwarz gese­hen. Eine der größ­ten Sor­gen im Alter: die finan­zi­el­le Unsi­cher­heit. Jede*r zwei­te macht sich Sor­gen, ob das Geld rei­chen wird, beson­ders Frau­en machen sich dar­über Gedan­ken. 92% glau­ben, dass das Ren­ten­sys­tem wei­ter ver­än­dert wer­den muss, damit es nicht zur Alters­ar­mut kommt. Aber 57% trau­en genau das der Poli­tik nicht zu.

Rat­schlä­ge der Älte­ren an die Jün­ge­ren: Spa­ren und vor­sor­gen, ordent­lich in Bil­dung inver­stie­ren und nur 10% emp­fah­len, das Leben zu genie­ßen und Träu­me umzu­set­zen.

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Spon­ta­ne Abstim­mun­gen der etwa 100 Besucher*innen der Kör­ber-Stif­tung

Das Ver­hält­nis zwi­schen Älte­ren und Jün­ge­ren scheint sich neu aus­zu­ba­lan­cie­ren. Nur noch 25% spre­chen von Genera­tio­nen-Unge­rech­tig­keit. Die Älte­ren fin­den sogar mehr als die Jün­ge­ren, dass die benach­tei­ligt sei­en. Und der Genera­tio­nen-Ver­trag wird nur noch von 55% als gerecht emp­fun­den. Die Abgren­zung zwi­schen den Genera­tio­nen wird offen­bar über­be­wer­tet, wich­ti­ger sind inzwi­schen Bil­dung, Ein­kom­men, Eltern und Freun­des­kreis, die ver­bin­den oder eben tren­nen.

Als ein Fazit der Stu­die sehen die Verfasser*innen*2), dass „die gewon­ne­nen Lebens­jah­re Her­aus­for­de­run­gen aber auch Chan­cen brin­gen. Zum Bei­spiel, die Lebens­ar­beits­zeit gänz­lich anders zu struk­tie­ren und On-off-Bio­gra­fi­en zu leben. Lebens­läu­fe, die sich nicht mehr in den klas­si­schen Drei­klang aus Aus­bil­dung, Arbeit, Ruhe­stand fas­sen las­sen. Son­dern, in denen sich Pha­sen der Arbeit immer wie­der mit sol­chen Pha­sen abwech­seln, in denen Zeit für Fami­lie, für Neu­es, für das Gemein­wohl im Vor­der­grund steht. Die Umfra­ge unter­streicht den Wunsch danach.“

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Die Ham­bur­ger Grü­nen Alten sind zu viert ver­tre­ten

Am Schluss der Ver­an­stal­tung wur­de auch über Umset­zungs­mög­lich­kei­ten und die Rol­le der Par­tei­en dis­ku­tiert. Auf eine spon­ta­ne Umfra­ge der Dis­kus­si­ons­lei­tung, wer der hier anwe­sen­den, poli­tisch inter­es­sier­ten Men­schen aller Alters­grup­pen Mit­glied in einer Par­tei sei oder vor­ha­be, dem­nächst in eine Par­tei ein­zu­tre­ten, um etwas zu ver­än­dern und wer nicht, mel­de­ten sich 14 zu 34. Auf Nach­fra­ge kam her­aus, dass das eine Vier­tel bereits Mit­glied in einer Par­tei war. Eine kur­ze Dis­kus­si­on über Poli­tik­ver­dros­sen­heit folg­te mit dem Wunsch nach neu­en Betei­li­gungs­for­men. Die Mit­glied­schaft in Par­tei­en sei beson­ders für jün­ge­re Men­schen kei­ne Opti­on mehr, hieß es.

Alle Zah­len und Infos hier. ____________________________________________________________________________

*1)1701 zufäl­lig aus­ge­wähl­te Per­so­nen zwi­schen 18 und 65 Jah­ren wur­den im Okto­ber 2016 befragt, dar­un­ter 372 unter 30 und 616 über 50, in der Stu­die die „Jün­ge­ren“ bzw. die „Älte­ren“ genannt.

*2)Andrea Bay­er­lein, Andre­as Geis, Mei­ke Kirsch, Mar­git­ta Schul­ze Lohoff, Kör­ber Stif­tung 2016

Die Kurz-URL für die­sen Arti­kel ist: https://wp.me/s84Y3M-lazu40

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