Klimaaktivistinnen 70plus am Europäischen Menschengerichtshof

Chris­ta Möl­ler | GRÜNE ALTE

Das war Gän­se­haut­fee­ling: um 9.15 Uhr soll­te die Anhö­rung im Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te begin­nen, ab zehn nach neun wur­de es immer ruhi­ger, bis man eine Steck­na­del hät­te fal­len hören. Alle starr­ten gebannt auf die Tür, durch die die Richter:innen gleich in den gro­ßen Saal ein­tre­ten wür­den. Wir, vier Frau­en der GRÜNEN 60plus aus Ham­burg, durf­ten dabei sein und saßen auch gleich in der 1. Rei­he. Um genau 9.15 Uhr öff­ne­te sich dann die Tür – und her­ein kam gemes­se­nen Schrit­tes ein ein­zel­ner Gerichts­die­ner, um mit­ten im Raum laut her­aus­zu­schmet­tern:  Le Court! (Das Gericht!).

Und dann tra­ten sie ein, 8 Frau­en und 14 Män­ner, alle in tra­di­tio­nel­len schwar­zen Roben, mit einer Art Schal, mit wei­ßem Abschluss. Stär­ker hät­te der Kon­trast nicht sein kön­nen, in die­sem hyper­mo­der­nen Ambi­en­te. Als alle saßen, ging es sofort zur Sache: Die Prä­si­den­tin eröff­ne­te die Sit­zung und erteil­te den Ver­tre­tern der Schweiz das Wort, alles lief auf Eng­lisch oder Fran­zö­sisch, das dann simul­tan auf Eng­lisch über­setzt wurde. 

Die Zeit war streng limi­tiert, am Ende stell­ten die Richter:innen zahl­rei­che Fra­gen. Nach einer län­ge­ren Pau­se wur­den alle Fra­gen beant­wor­tet. Und dann hieß es erst­mal warten …

Chris­ta Möl­ler | GRÜNE ALTE

Wir waren schon am 28.3. von Ham­burg nach Straß­burg gereist, am Tag der Anhö­rung um sechs Uhr auf­ge­stan­den, um die Schwei­zer Kli­ma­se­nio­rin­nen vor dem Euro­päi­schen Men­schen­ge­richts­hof für ein gemein­sa­mes Foto zu tref­fen. Neben den Schwei­ze­rin­nen waren auch vie­le Vertreter:innen von Green­peace 50plus dabei, eine Grup­pe jun­ger Men­schen aus Por­tu­gal, die eben­falls kla­gen woll­ten – und wir als Ver­tre­tung der GRÜNEN, die gera­de eine par­tei­un­ab­hän­gi­ge Grup­pe der Kli­ma­se­nio­rin­nen in Ham­burg aufbauen. 

Vor dem Gerichts­ge­bäu­de waren vie­le Pressevertreter:innen erschei­nen, die meis­ten aus der Schweiz, Frank­reich und Öster­reich, aber auch die deut­sche Pres­se war inter­es­siert, ein Bericht mit Foto erschien z. B. bei Spie­gel online und die ARD frag­te nach einem Inter­view. Kein Wun­der, dass das Pres­se­inter­es­se groß war, waren doch zum ers­ten Mal die Kli­ma­ak­ti­vis­tin­nen im Schnitt über 70; das hat­te es bis­her so noch nicht gegeben. 

Inzwi­schen zählt der Schwei­zer Ver­ein 2000 Frau­en im Ren­ten­al­ter als Mit­glie­der und wird von rund wei­te­ren 1000 Frau­en und Män­nern unterstützt. 

Chris­ta Möl­ler | GRÜNE ALTE

Der Grund der Kli­ma­kla­ge ist klar: Je älter Men­schen wer­den, des­to schlech­ter kön­nen sie ihre Kör­per­tem­pe­ra­tur regu­lie­ren, sie schwit­zen weni­ger und haben kaum Durstgefühl.

Beson­ders älte­re Men­schen in Städ­ten haben es schwer und kön­nen der Hit­ze kaum ent­kom­men. Der vie­le Beton, die feh­len­den Pflan­zen, aus denen küh­len­de Feuch­tig­keit ver­duns­tet, sowie zahl­lo­se Ober­flä­chen, die Wär­me spei­chern, machen Städ­te zu Wär­me­inseln, in denen es bis zu zehn Grad Cel­si­us wär­mer sein kann als auf dem Land. 

Die Fol­ge kön­nen Hit­ze­krämp­fe oder ein lebens­ge­fähr­li­cher Hitz­schlag sein. Aber dar­über redet nie­mand, weil die Men­schen meist ganz still und lei­se in ihren Woh­nun­gen ster­ben, zum Bei­spiel weil ihr Kreis­lauf ver­sagt oder sie völ­lig dehy­driert sind. 

Chris­ta Möl­ler | GRÜNE ALTE

Des­halb möch­ten die Schwei­ze­rin­nen nun in Straß­burg gegen die Schweiz kla­gen, weil sie zu wenig gegen den Kli­ma­wan­del tut und beson­ders ihre älte­ren Bewoh­ne­rin­nen zu wenig schützt. Krank wer­den näm­lich haupt­säch­lich älte­re Frau­en, die Sta­tis­ti­ken dazu sind ein­deu­tig, erklär­te die Anwäl­tin der Kli­ma­se­nio­rin­nen wäh­rend der Anhö­rung. Sie war bril­lant, konn­te alle Fra­gen der drei­stün­di­gen Sit­zung detail­reich beant­wor­ten – wäh­rend den Schwei­zer Anwäl­ten am Ende die Argu­men­te aus­gin­gen und sie dafür immer lau­ter wurden. 

Wir hof­fen sehr, dass die Schwei­ze­rin­nen Erfolg haben wer­den. Es wür­de sehr viel ver­än­dern, wenn ihre Kla­ge aner­kannt wür­de. Mit einem Urteil wird aller­dings nicht vor Herbst gerech­net, ver­mut­lich kommt es sogar erst im nächs­ten Jahr. Bis dahin heißt es: Fest die Dau­men drücken!

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