Hamburg: Wer ist eigentlich alt?

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Podi­ums­dis­kus­si­on im Metro­po­lis Kino in Ham­burg über neue Alters­bil­der und Lebens- und Arbeits­mo­del­le

Wann ist man eigent­lich alt? Stim­men die Bil­der noch, die wir vom Alter im Kopf haben? Was macht der demo­gra­fi­sche Wan­del mit unse­rer Gesell­schaft? Wie lan­ge wol­len und kön­nen wir arbei­ten? Wie im Alter leben? Die Ham­bur­ger Grü­nen Alten hat­ten zusam­men mit der Hein­rich-Böll-Stif­tung ein­ge­la­den, die­se Fra­gen zu dis­ku­tie­ren – und weit über 60 Men­schen waren gekom­men, um im Metro­po­lis den Film „Sput­nik Moment – 30 gewon­ne­ne Jah­re“ zu sehen und anschlie­ßend mit der Film­au­torin Bar­ba­ra Wacker­na­gel-Jacobs, Vertreter*innen der Grü­nen Jugend, der Grü­nen Alten und der Bür­ger­schaft dis­ku­tie­ren.

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Eine 90-Jäh­ri­ge erzählt, dass sie mit 50 ihr Psy­cho­lo­gie-Stu­di­um begann, um spä­ter als The­ra­peu­tin zu arbei­ten

Inspi­rie­rend“,  „damit will ich mich unbe­dingt mehr beschäf­ti­gen“, „bin froh, dass ich gekom­men bin“ waren nur eini­ge der vie­len posi­ti­ven Kom­men­ta­re, die nach Film und Dis­kus­si­on von den Gäs­ten zu hören waren. Johan­nes Mül­ler, Spre­cher der Grü­nen Jugend und einer der Podi­ums­teil­neh­mer, mein­te, er habe sich bis­her mit den Chan­cen des demo­gra­fi­schen Wan­dels noch nicht beschäf­tigt, fand aber die Inhal­te des Films sehr span­nend und wich­tig. Super, ist das The­ma doch gera­de für die nach­fol­gen­den Genera­tio­nen so ent­schei­dend, um recht­zei­tig neue Lebens- und Arbeits­mo­del­le ent­wi­ckeln zu kön­nen.

 

 

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Vie­le gute Gesprä­che vor und nach dem Film in der gemüt­li­chen Bar des Kinos

Dadurch, dass wir alle län­ger leben, kön­nen wir 30 zusätz­li­che Jah­re in unser Leben ein­bau­en. Und uns Aus­zei­ten z.B. in der Rush Hour des Lebens neh­men, denn vie­le Men­schen möch­ten Fami­lie und Beruf end­lich mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren kön­nen, mit fle­xi­ble­ren Arbeits­zei­ten als bis­her – wie der gera­de ver­öf­fent­lich­te Bericht der Bun­des­re­gie­rung zur Lebens­qua­li­tät in Deutsch­land zeigt. Wenn Kind, Kar­rie­re, Part­ner­schaft unter einen Hut gebracht wer­den müs­sen, wünscht man sich doch nur noch eins: mehr Zeit! Alle wer­den zukünf­tig viel län­ger arbei­ten müs­sen – schließ­lich wer­den wir immer fit­ter und gesün­der älter. Das bedeu­tet aber, dass wir uns mehr Zeit las­sen könn­ten; nicht nur eine ein­zi­ge Kar­rie­re haben, son­dern auch mit 50 oder 60 noch mal durch­star­ten kön­nen. Tur­bo-Abi, durchs Bache­lor Stu­di­um jagen, natür­lich mit super Noten, um den Mas­ter anhän­gen zu kön­nen und mit 23 dann den Berufs­start hin­le­gen – das sei für sie uner­träg­lich, mein­te Bar­ba­ra Wacker­na­gel-Jacobs in der Dis­kus­si­on. Mit 29 kom­me ver­mut­lich der Burn Out – und dann? Eine aktu­el­le Online-Stu­die der AOK* zeig­te ja gera­de, wie gestresst sich schon Student*innen füh­len.

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64 Ein­tritts­kar­ten wur­den aus­ge­ge­ben, das The­ma inter­es­siert vie­le Men­schen!

Wir brau­chen ande­re moder­ne Lebens­mo­del­le, neue Alters­bil­der und einen fle­xi­blen Über­gang in die Ren­te.  Wir wol­len Caring Com­mu­nities in den Bezir­ken, Senio­ren-WGs und Mehr­ge­nera­tio­nen-Häu­ser. Städ­te und Kom­mu­nen müs­sen jetzt die rich­ti­gen Wei­chen stel­len, um auf die Fol­gen des demo­gra­fi­schen Wan­dels vor­be­rei­tet zu sein.

Lei­der pas­siert, anders als in skan­di­na­vi­schen Län­dern, in die­ser Hin­sicht in Deutsch­land noch viel zu wenig. Auch in Ham­burg wird das The­ma Alter eher stief­müt­ter­lich behan­delt – da macht die grü­ne Frak­ti­on kei­ne Aus­nah­me, wie Chris­tia­ne Blö­me­ke, stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen in der Ham­bur­ger Bür­ger­schaft und u.a. zustän­dig für Senio­ren­po­li­tik, ein­räum­te. „Wir haben schon viel getan, aber Alter ist ein­fach nicht sexy, da sind ande­re The­men meist inter­es­san­ter…“ Wird Zeit, dass sich das ändert. Wir und die vie­len Men­schen, die zu unse­rer Ver­an­stal­tung gekom­men sind, wün­schen uns das jeden­falls!

 

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